Radioökologisches Gutachten
09.02.2017 10:25

Erhöhte Tritiumwerte unbedenklich für Menschen und Umwelt

Die IAG hatte das Gutachten zur "Radioökologischen Untersuchung zum Tritium im Deponiesickerwasser der Deponie Ihlenberg" im vergangenen Jahr auf eigene Initiative bei der unabhängigen Nuclear Control & Consulting GmbH Braunschweig (www.nuclear-cc.com) in Auftrag gegeben. Hintergrund war eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Wasserstoffisotops Tritium von 576 Becquerel pro Liter (Bq/l) im gereinigten Sickerwasser der Deponie Ihlenberg. Mit Hilfe des Gutachtens sollten insbesondere die Tritium-Quellen ausfindig gemacht und die Auswirkungen auf die Umwelt gutachterlich bewertet werden.

LEUCHTSTOFFE OFFENSICHTLICH DIE TRITIUMQUELLE

Eine Betrachtung zur möglichen Herkunft des Tritiums ergab als wahrscheinlichste Ursache die Entsorgung tritiumhaltiger Konsumgüter wie beispielsweise "Beta-Lights" oder andere selbstleuchtende Gegenstände wie Uhren oder Armaturen mit Leuchtfarben mit den deponierten Abfällen. Erhöhte Tritiumwerte werden auch auf anderen Deponien immer wieder gemessen. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass Laborabfälle entsorgt wurden, die auch ohne besondere Anforderungen an den Strahlenschutz  im Siedlungsabfall beseitigt werden dürfen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist das im Deponiesickerwasser gemessene Tritium jedoch nicht auf die Deponierung von freigegebenen Abfällen aus kerntechnischen Anlagen zurückzuführen. Nach Prüfung und Bewertung der freigemessenen Rückbaumaterialien aus dem Kernkraftwerk Lubmin können diese als Quelle der Tritiumwerte weitestgehend ausgeschlossen werden.

WAS IST TRITIUM?

Das fragen sich viele Menschen im Umfeld von Deponien, da immer wieder im Sickerwasser erhöhte Tritiumwerte gemessen werden und für Verunsicherung sorgen. Tritium ist ein in den oberen Schichten der Erdatmosphäre natürlich vorkommender "schwerer" Wasserstoff, der im Regenwasser nachgewiesen werden kann.

"Schwer" deshalb, weil sein Kern aus einem Proton und zwei Neutronen besteht. Damit verfügt Tritium über eine Umweltradioaktivität mit einer Halbwertszeit von 12,32 Jahren.

Tritiumwasserstoff wird aufgrund seiner spezifischen und fluoreszierenden Eigenschaften seit vielen Jahrzehnten auch künstlich hergestellt und industriell genutzt oder in der Forschung eingesetzt. In einigen Laboreinrichtungen werden beispielsweise Tritium-haltige Szintillator-Lösungen verwendet.

Befürchtet wurde auch ein Zusammenhang mit freigemessenen Abfällen aus Lubmin.
Auf der Deponie Ihlenberg wurden seit Beginn des Rückbaus in Lubmin (1995/96) insgesamt ca. 15.200 t (Stand Dez. 2015) an freigemessenen Abfällen aufgenommen. Freimessung bedeutet gemäß Strahlenschutzverordnung, dass die Strahlungsintensität dieser Materialien so gering sein muss, dass eine Gefährdung für Mensch und Umwelt ausgeschlossen werden kann.

REGELMÄßIGE RADIOÖKOLOGISCHE KONTROLLEN

Die ermittelten Tritium-Frachten sind laut Gutachter kein Beleg für eine radiologische Gefährdung. Vielmehr enthält der normale Niederschlag ca. 1000 Becquerel Tritium-Aktivität je Kubikmeter und bei einem mittleren Jahresniederschlag von 600 mm fallen auf jeden Hektar Land- bzw. Wasserfläche ca. 6 Millionen Becquerel Tritium im Jahr. Tritiumhaltiges Wasser verdunstet wie jedes Wasser. Der dabei frei werdende Wasserdampf führt aber auch bei ungünstigen Annahmen weder für die Beschäftigten auf dem Betriebsgelände der IAG noch bei den Anwohnern zu Dosen, die nach Maßstäben des Strahlenschutzes bedeutsam sind. Da Tritium über den normalen Wasserhaushalt des menschlichen Körpers wieder ausgeschieden wird, reichert es sich auch nicht im menschlichen Körper an.

Auf der Grundlage der umfassenden Untersuchungen und Modellrechnungen kommen sowohl das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als auch der Fachgutachter Nuclear Control & Consulting GmbH zu dem Ergebnis, dass eine Gefährdungslage für die Mitarbeiter und Anwohner sowie die Umwelt nicht gegeben ist. Weiterhin lässt sich als Fazit feststellen, dass selbst bei sehr konservativen Berechnungen die Strahlendosis als vernachlässigbar gering eingestuft werden kann. Bei den gemessenen Tritium-Konzentrationen sind keine nachteiligen Auswirkungen auf das Ökosystem zu befürchten.

Trotz der unbedeutenden radiologischen Konsequenzen wird vom Gutachter empfohlen, die Beobachtung des Tritiums im gereinigten Deponiesickerwasser fortzusetzen. Diesen Empfehlungen wird die IAG folgen und die weitere Entwicklung transparent offenlegen. Die Umweltradioaktivität auf dem Deponiegelände und in der Umgebung wird regelmäßig durch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (LUNG M-V) gemessen und geprüft.

 

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